Tommaso Soderini hat im Jahr 1464 den Beamten des Katasteramtes der florentinischen Republik die Dokumente von Gabbiano überreicht, aus denen zu ersehen ist, dass Wein und Öl zu der Zeit die wertvollsten Güter darstellten, die hier produziert wurden.
Der Bau der Weinkeller wird im Jahr 1124 begonnen, ihre gewölbte Decke stellt den Beweis dar, dass die Keller ausschliesslich für die Weinherstellung benutzt worden sind. Zu der Zeit gehört das Schloss einer der mächtigsten Familien aus Florenz , die Familie Bardi, eine Familie, deren Mitglieder Bankbesitzer sind. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts beginnt die Familie die Arbeiten für die Vergrösserung des Schlosses, indem sie zuerst mit dem Bau für die Verlängerung der Festungsmauern anfangen, die, wie es die typische, guelfische Tendenz zu der Zeit vorschreibt, mit Zinnen versehen werden.
Das Schloss bleibt im Besitz der Bardi bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts, dann geht sie in den Besitz der Familie Soderini über, einer der politisch einflussreichsten Familien in Florenz. Es ist auf die Familie Soderini zurückzuführen, dass sich das mit Türmchen versehene Herrenhaus Gabbiano, schon im späten 14. Jahrhundert fertiggestellt, in einen Bauernhof verwandelt, wie es schon in den Dokumenten steht, die im Jahr 1480 von Thomas, dem Vater von Pier Soderini , den Beamten von dem Katasteramt der Florentiner Republik übergeben werden.
Im Laufe des Jahrhunderts ist es notwendig gewesen, noch andere Gebäude hinzuzufügen, wie man aus dem unterschiedlichen Mauerwerk ersehen kann, das die verschiedenen Stadien des Wachstums vorzeigt. Am Ende verwandelt sich das Schloss in ein großes, viereckiges Bauwerk, das auch eine private Festung darstellt, weil es mit vier zylindrischen Türmen versehen worden ist, um die Ecken des Schlosses zu verstärken.
Das Schloss hat damals unter den Soderini eine Form angenommen, wie wir sie in der Gegenwart kennen. Die runden Türme unter Einfluss der französischen Architektur sind im Jahre 1505 an den vier Ecken des Schlosses errichtet worden. Da alle Mitglieder der Familie Soderini im sechzehnten Jahrhundert aufgrund ihres Kampfes gegen die Medici als Rebellen aus Florenz verbannt worden sind, ist das Schloss für eine lange Zeit verlassen gewesen. Erst im 16. Jahrhundert ist es mit der Rückkehr der Familie Soderini wieder zum Leben erweckt worden, wie die Inschrift auf der Steinplatte berichtet, die das Eingangstor überragt.

Unter den beiden Wappen der Familie Soderini heißt es “FRANC.SODERINUS SENAT.GASP.F.RURIS HUIUS IN FAMIGLIA RESTITUTOR SUB.A MDCLII” Über den Wappen steht die Inschrift mit dem Motto von Pier Soderini, der sie anlässlich seiner Wahl zum Gonfaloniere hat anfertigen lassen. Sie lautet: “IUS UT PALMA FLO” (“Iustus ut palma florebit”).
Seit dem neunzehnten Jahrhundert wechseln die Familien, die das Schloss besitzen. Einige von ihnen haben Renovierungen vorgenommen, die aber vollkommen die Charakteristiken der architektonischen Besonderheiten des Schlosses respektieren.
In dem Gebäudekomplex neben dem Schloss befindet sich die Hauskapelle in klassizistischem Charakter. Ihr Bau stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert, als das Schloss laut einer Inschrift im Innern der kleinen Kirche im Besitz der Familie Del Turco ist. Diese Inschrift ist 1957 zu Anlass der von den Lemmi vorgenommenen Restaurierung angebracht worden.
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Kuriosität:
- Im Jahr 1506 bittet die Stadt Bologna eindringlich die Signoria von Florenz, ihr den Bildhauer Michelangelo zuzusenden, um eine Bronzestatue von dem Papst Julius II zu schaffen. Ende November des gleichen Jahres kommt Michelangelo dieser Bitte nach und gibt sich auf den Weg nach Bologna, ausgestattet mit einem Schutzbrief von Pier Soderini, der im Jahr 1502 als lebenslänglicher Gonfaloniere erwählt wurde. In dem Schutzbrief steht: “Der Träger dieses Schreibens ist der Bildhauer Michelangelo, der nach Bologna geschickt wird, sicher, dass Seine Heiligkeit, unser Herr, damit zufrieden ist. Wir bezeugen, dass er ein junger Mann von ausgezeichneter Qualität ist und dass seine Kunst nicht nur in Italien unübertroffen ist, sondern wahrscheinlich auch in der ganzen Welt. Wir wissen nicht, wie wir ihn noch mehr empfehlen können, er hat einen Charakter, der es erlaubt, dass man mit guten Worten und sanften Verhalten alles von ihm erreichen kann. Man muss ihm Zuneigung und Wohlwollen beweisen, dann wird er ein Kunstwerk erschaffen, das jeden, der es erblickt, in Erstaunen versetzen wird.
- Samuel Eliot Morison erinnert sich in seinem Buch, das in den Vereinigten Staaten im Jahr 1974 unter dem Titel “Die Europäische Entdeckung Amerikas” erschienen ist, wie Amerigo Vespucci, gleich nach der Rückkehr aus Amerika, seinen ersten Brief an Pier Soderini gerichtet hatte. Die beiden hatten schon immer eine gute, freundschaftliche Beziehung, da sie beide Schüler von Vater Giorgio Antonio Vespucci, dem Onkel von Amerigo, im Kloster von S. Marco gewesen waren.
- Es gibt verschiedene Beweise für die enge Freundschaft zwischen der Familie Soderini und dem Künstler Michelangelo, während die Legenden aus dieser Zeit leider nicht bewiesen worden sind. Sie sprechen davon, dass Michelangelo in Gabbiano Unterkunft gefunden hatte und dort sich entspannte. Wir möchten Ihnen hier eine Legende erzählen, die wir besonders lieben, obwohl wir gar nicht sicher sind, dass sie auf Wahrheit beruht: Damals stand neben dem alten steinernen Tisch auf dem Platz vor dem Schloss ein großer Baum, unter seinem Schatten liebte Michelangelo, sich auszuruhen, um Ruhe und Inspiration zu suchen.
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